Die Reise nach Petuschki

Wenedikt Jerofejew (1938-1990) wurde 1957 wegen des Schwänzens von Wehrübungen von der Moskauer Universität relegiert. Aus der Stadt Wladimir wurde er anschließend wegen antisowjetischer Umtriebe verwiesen. Er schlug er sich mit verschiedensten Gelegenheitsarbeiten durch, seine Erzählung „Die Reise nach Petuschki“ entstand 1969 während der Arbeit als Monteur im Fernmeldewesen. In der UdSSR war das Werk nur über nichtoffizielle Kanäle verfügbar, 1973 wurde es erstmals auf russisch in Israel herausgegeben. Vordergründig wird darin die „hochprozentigste Sauftour der Weltliteratur“ beschrieben, tatsächlich prophezeite es den Untergang der kommunistischen Gewaltherrschaft und den Triumph des geschundenen Menschen. 1988 - während Gorbatschows Anti-Alkohol-Kampagne - wurde das russische Original zum ersten Mal veröffentlicht, offenbar zur Abschreckung, in dem Blättchen „Nüchternheit und Kultur“. – Jerofejews Alter-Ego Venitschka will wie jeden Frei tag von Moskau aus mit dem Zug ins 120 Kilometer entfernte Provinzkaff Petuschki fahren, um seine Geliebte und den kleinen Sohn zu besuchen. Mit sich führt er ein Köfferchen mit einer umfangreichen, hochprozentigen Alkoholauswahl. Doch ist die Reise nur Ausgeburt eines furchtbaren Deliriums? Jedenfalls scheint der saufende Held diesmal Petuschki nicht zu erreichen, sondern er findet sich von Krämpfen und Entsetzen gequält in Moskau wieder, wo er auf seine Todesengel trifft… - Die Erzählung steckt voller Zitate und Anspielungen, so dass selbst der russische Kommentar, der bereits das Dreieinhalbfache des Texts ausmacht, wohl nicht vollständig ist. Jerofejews Diagnose der russischen Seele könnte auch heute noch wertvolle Hinweise für das Verständnis der Menschen in Russland liefern: „Wenn man Wodka trinkt, erhält man sich den gesunden Menschenverstand und sein Gedächtnis, oder aber verliert mit einemmal beides. … Das Volk kann sich kein Rindfleisch leisten, Wodka ist billiger. Deswegen trinkt der russische Muschik, die Armut treibt ihn in den Suff. Ein Buch kann er sich nicht kaufen … nur Wodka, staatlichen und anderen, zum Mitnehmen, zum Hiertrinken und so weiter. Deswegen trinkt er, wegen seiner Unwissenheit!“ – Ein aberwitziges Lesevergnügen.

Handlungsorte

»Heimat entdeckt man erst in der Fremde.«
Siegfried Lenz

Buchdetails

Handlungsorte
Moskau, Balaschicha, Staraja Kupawna, Elektrougli, Pawlowski Possad, Dresna, Orechowo-Sujewo, Pokrow, Petuschki, Snt Voskhod
Buchdaten
Titel: Die Reise nach Petuschki
Untertitel: Ein Poem
Kategorie: Roman / Erzählung von 1973
LeserIn: Faun
Eingabe: 03.09.2022


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